Die Wikinger oder Nordmänner, Normannen waren ein faszinierendes Volk, jedoch sind manche der uns bekannten Mythen nicht ganz wahr.
In den meisten Comics, Hollywood oder auch der Wagneroper, werden Wikinger bzw. die Helme der Wikinger mit verzierten Hörnern dargestellt, was nicht der Wahrheit entspricht denn die Wikinger-Helme hatten keine solchen Verzierungen.
Auch waren die Wikinger keine besonders guten „Kriegerischen Seefahrer“. Die überwiegende Anzahl der Menschen im Mittelalter waren Bauern, was die Wikinger ebenfalls nicht ausschließt.
Der Ursprung der Wikinger, Nordmänner liegt im heute uns bekannten Dänemark, Norwegen und Schweden. Bis zum 8. Jahrhundert lebten die Wikinger überwiegend vom Handel bzw. als Händler, was sich jedoch schlagartig änderte mit der überaus genialen „Erfindung“, Entwicklung des Wikingerschiff.
Die Wirkung der Normannen oder Wikinger in ihrer Zeit war so nachhaltig und umfassend, dass unsere Webseite www.wikingers.de nur bedingt ausreichen dürfte, sie zu beschreiben, geschweige denn, zu erklären. Daher beginnen wir mit einer Aufzählung der wichtigsten historischen Leistungen der Normannen, auch wenn sie oft schwierig zu definieren und einzugrenzen sind.
Die erste und keineswegs geringste dieser Leistungen war der Aufbau der Normandie selbst in den kurzen anderthalb Jahrhunderten zwischen 911 (dem traditionellen Datum der ersten Zuweisung eines nordwestfranzösischen Territoriums durch König Karl den Einfältigen an den Wikingerfürsten Rollo und seine Norweger) und den 1060er Jahren. Hier entstand ein Staatswesen, das nach zeitgenössischen Maßstäben zum mächtigsten der feudalen Fürstentümer wurde, die damals in Frankreich, dem westfränkischen Königreich, bestanden. Es entstand aber auch eine von Energie überschäumende, integrierte, loyale und selbstbewusste Gesellschaft, die, die ganze bekannte Welt zu ihrem Spielball zu machen schien.
Nachdem sie ihre Souveränität und Oberherrschaft auch auf die benachbarten Grafschaften Maine und Ponthieu und Teile der Bretagne und der Grafschaft Boulogne ausgedehnt hatten, machten sich die Normannen daran, mit ihren Bundesgenossen, Rittern und Pferden, ihren Bogenschützen und ihrer gesamten Kriegsmaschinerie das weitaus größere und reichere Königreich England in einer der wenigen wirklich epochemachenden Schlachten der europäischen Geschichte Hastings, am Samstag, dem 14. Oktober 1066 zu unterwerfen.
Von England aus leiteten sie einige Jahrzehnte darauf die Eroberung von Wales ein, die von Eduard I. zweihundert Jahre später vollendet wurde. Sie drangen auf mehr oder weniger friedlichem Wege in das schottische Tiefland ein und bewirkten dort eine kaum weniger tiefgreifende Veränderung der Gesellschaft als in England. Ein Jahrhundert nach Hastings setzten sie nach Irland über und begannen so mit den immer wiederkehrenden Besetzungen der Insel durch die Englischen.
Nun weiß jedes Schulkind in England irgendetwas über die normannische Eroberung Englands zu sagen. Viel weniger bekannt aber ist die gleichzeitige Eroberung Süditaliens und Siziliens. Sie setzte im Jahre 1ooo ein und war 1091 abgeschlossen, und in gewisser Hinsicht war diese Eroberung noch beeindruckender als die Eroberung Englands. Die letztere könnte man bei allem wissenschaftlichen Vorbehalt gegen Anachronismen ein von Herzog Wilhelm geplantes und geleitetes staatliches oder nationales Unternehmen nennen mit allen Ressourcen, über die er als Fürst und feudaler Souverän gebieten konnte.
Die Eroberung Süditaliens und Siziliens erweist sich dagegen als ein Stück rein privater Initiative, wobei sie bisweilen gegen den Willen des Herzogs einzelne Ritter und Rittergruppen, einige von ihnen politische Flüchtlinge aus dem Herzogtum, auf eigene Faust ihre Lehnsgüter, Herrschaften und schließlich ihr Königreich unter südlicher Sonne erwarben. Es war dies eine besonders romantische Episode in der Geschichte skrupelloser Räubereien.
Diese bedenkenlosen Aneignungen von Land und Herrschaft gingen auf Kosten der beiden damaligen Großmächte, der Byzantiner und der Araber und erhielten obendrein noch päpstlichen Segen. Aber weder wir noch die Normannen haben damit die Aneinanderreihung militärischer und politischer Triumphe abgeschlossen, die ganz offenkundig die Strukturen des entstehenden Europa in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts tiefgreifend verändert haben.
Noch bevor dieses Jahrhundert zu Ende ging, durchbrachen die Normannen in zwei mächtigen Heersäulen die Grenzen der westlichen Welt die eine kam aus der Normandie selbst (unter dem ältesten Sohn des Eroberers, Herzog Robert Cour Teheuse), die andere aus Süditalien, an der Spitze des von Papst Urban II. zu Clermont 1095 ausgerufenen Ersten Kreuzzugs. Es erscheint daher ganz natürlich, dass sich unter den ersten Kreuzfahrern, die sich beim Fall Jerusalems am 15. Juli 1099 den Weg auf die Mauern der Stadt freikämpften, der italienische Normanne Tankred von Hauteville war.
Und ein anderer Normanne, Bohemund von Hauteville, der Onkel Tankreds, gründete auf dem hartumkämpften Weg nach Jerusalem das normannische Fürstentum Antiochia in Outremer, das heißt, im Gebiet der Kreuzfahrerstaaten jenseits des Meeres. „So wirst du kommen aus deinem Orte, nämlich von den Enden gegen Mitternacht (Norden), du und großes Volk mit dir, alle zu Ross ein großer Haufe und ein mächtiges Heer.“ So der Prophet Hesekiel. Um das Jahr 1100 hatten die Normannen eine Art Commonwealth gegründet, bei dem sich ihre unmittelbare territoriale Hegemonie in einer losen Kette von Staaten von der walisischen Mark über die Flüsse Severn und Dee, über die Normandie und Süditalien und Sizilien bis nach Antiochia und den Fluss Orontes erstreckte.
Hinzu kommt noch die normannische Beteiligung an der Rückeroberung (Reconquista) Spaniens von der islamischen Herrschaft, die wie so manche andere Entwicklung in der europäischen Geschichte zu jener Zeit einsetzt, und hinzu kommen die von Italien aus über die Adria führenden Feldzüge gegen das Byzantinische Reich. Die hier aufgezählten politischen Leistungen und militärischen Triumphe sind natürlich nur die Spitze des Eisbergs oder höchstens die physische Einwirkung einer integrierten Gesellschaft auf die äußere Welt einer Gesellschaft, die offenbar alles erreichte, was sie sich vorgenommen hatte. Die Normannen waren nicht nur siegreich auf dem Schlachtfeld und effizient in der Verwaltung.
Ihre Leistungen beschränkten sich ebenso wenig auf diese Sphären wie auf die Normandie selbst. Sie leisteten großzügige Beiträge zu den grundlegenden Entwicklungen ihrer Epoche und traten bei manchen sogar als Vorreiter auf. Man denke nicht nur an ihre Ritter, sondern auch an ihr fruchtbares und dauerhaftes Konzept des Rittertums. Ihre Burgen, etwa der White Tower von London, nötigen uns Bewunderung ab, ebenso ihre Kirchen, zu denen auch die Kathedrale von Durham gehört. Bei der Würdigung oder (heute wohl eher) Verurteilung ihrer Kriegsführung sollte man sich daran erinnern, dass ihre größeren Feldzüge alle mit dem Segen des Papsttums geführt wurden, als dessen formelle Verbündete die Nordmänner in Italien agierten.
Mehr als andere Völker vertraten sie die Idee des Heiligen Krieges, aus der der Kreuzzugsgedanke hervorging und so die charakteristische zeitgenössische Lösung des uralten Problems vom Gerechten Krieg lieferte. Nicht allein in der Kriegführung also zeichneten sich die Normannen aus, sondern auch auf religiösem Gebiet. Beides ist nie eigentlich unvereinbar gewesen, erst recht nicht damals, wie die Ritterorden des 12. Jahrhunderts, die Templer und Johanniter, gleich zu Beginn deutlich vor Augen führen. Weder war das normannische Christentum lediglich eine brachiale Spielart, noch erklärt sich ihre führende Rolle in der Kirchengeschichte aus der engen Verbindung mit dem Papsttum oder weil sie in einem der großen religiösen Reformzeitalter des Westens Vorkämpfer der orthodoxen Reform waren.
In der Normandie herrschte kein Mangel an Geistigkeit, obwohl dies natürlich schwer zu bemessen ist. Es ist jedoch kein Zufall, dass die Periode der normannischen Expansion in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts mit einer umfassenden Erneuerung der normannischen Kirche zusammentrifft. Die daraus hervorgegangene normannische Kirche war keineswegs nur eine Provinz wohlgeordneter Diözesen, jede mit einer eigenen Synode, einem Kathedralkapitel und einem Archidiakon, die vom Erzbischof in Rouen geleitet und vom Herzog kontrolliert wurde.
Erneuerung und Reform hatten zuerst die Klöster erreicht, und das mit einigen Abwandlungen von Cluny hergeleitete normannische Klosterwesen nahm eine herausragende Stellung ein in einer Zeit, die ohnehin von einer blühenden Klosterkultur geprägt war. Von der Kirche des lateinischen Christentums zu sprechen bedeutet darüber hinaus auch, von Gelehrsamkeit und Kultur, von bildender Kunst und Architektur und von der Renaissance des 12. Jahrhunderts zu reden. Nicht von ungefähr fühlten sich Gelehrte vom Rang eines Lanfranc und Anselm von der Normandie angezogen dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten für Intellektuelle nicht weniger wie für Ritter. Eine Reihe normannischer Klosterschule allen voran Fecamp, St. Evroult, Le Bec hatten einen hervorragenden Ruf in einer Zeit hochstehender Gelehrsamkeit.
Die normannische Erneuerung der Kirche bedeutete darüber hinaus ein Kirchenbauprogramm von majestätischen, wahrhaft imperialen Dimensionen, das teilweise noch heute Zeugnis über diese große Epoche der Normandie ablegt. Solche Bauwerke zeigen ohne Frage, dass die Nordmänner nicht nur die Römer ihrer Zeit waren, sondern auch die Griechen. All das konnte auch, wenn nötig, exportiert werden, so dass beispielsweise nicht nur jede größere englische Kirche bald nach 1066 nach normannischer Mode umgebaut wurde, sondern auch die Bibliotheken eine entsprechende Veränderung erfuhren.
Die Normannen, Nordmänner oder Wikinger mögen gewiss die Gabe der Adaption gehabt haben dies könnte ihre immensen Erfolge zumindest teilweise erklären. Aber überall, wo sie auftauchten, bewirkten sie tiefgreifende Änderungen, so dass es nicht leichtfallen dürfte, ihren besonderen Beitrag zur Geschichte des Westens zu übertreiben. Die Normandie des ausgehenden 11. Jahrhunderts war reich und wohlhabend, wie sonst wohl hätte man solche Bauwerke errichten können, solche Feldzüge unternehmen und die vielen Priester, Mönche und Ritter unterhalten können? Die Bevölkerung nahm ständig zu und bot so mit einem unablässigen Zuwachs an jungen Söhnen eine Voraussetzung für die territoriale Expansion.
[Quelle Wikingers.de]
